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Donnerstag, 22. November 2007

Schüttelreime von Jürgen Rehm
Von lenza37, 18:52

Wozu? Dies Gedicht hat keinen Sinn, wozu soll ich es dichten? Denn es gibt ja ohnehin viel zu viel Geschichten. Dies Gedicht hat keinen Wert, man muss es auch nicht lesen, und hat man einst es je gehört, dann ist es nichts gewesen. Dies Gedicht hat keinen Zweck, darum lass ich es bleiben. Besser ist ein End mit Schreck. Ich höre auf zu schreiben ... Ein Gedicht Dies Gedicht ist nett und fein, nicht sehr groß, dafür recht klein, kurz, ergreifend und auch schlicht, kurz – dies Gedicht ist ein Gedicht. Vollmond Am Himmel hell der Vollmond blinkt, vom Maste hoch die Fahne winkt. Doch hegt der Vollmond keinen Groll, denn er glänzt festlich, rund und voll. Der Vollmond leuchtet hell und rund, und in der Ferne heult ein Hund. Gar schaurig klingt das Hundsgebell. Der Mond ist rund und leuchtet hell. Im Dunkeln steht das alte Haus, doch ist der Ofen noch nicht aus. Vom Schlote steigt zum Himmel Rauch. Der Mond ist voll – ich bin es auch. Der Glaube Man hört die Leute bisweilen schwätzen, der Glaube könne Berge versetzen. Doch der Glaube, selten reicht er, mit einem Bagger geht es leichter. Der Lauf der Dinge Die Schwalbe, die hat Schwälbchen, die Kuh, die hat ein Kälbchen, die Wildsau hat Frischlinge – das ist der Lauf der Dinge. Der Sturm Drückend war des Tages Hauch, kein Blättchen regte sich am Strauch, und im späten Tageslauf zogen dunkle Wolken auf. Plötzlich bricht der Sturm hervor, es heult und kreischt der Winde Chor. Die Bäume knacken im Geäst, der Vogel flieht sein schwankend Nest. Am Himmel sich die Wolken ballen, aus denen Wassermassen fallen, und der Sturm läßt unter Krach Ziegel fallen von dem Dach. Der Sturmwind rüttelt an der Tür, doch niemand steckt den Kopf herfür. So heult er schaurig nur sein Lied, und die Oma sagt: „Es zieht.“ Der Wanderer Wenn ich wand’re, setz ich ein Bein so vor das andre Bein; so setz’ ich, wenn ich wandere, ein Bein vor das andere, denn wenn ich wand’re, setze ich ein Bein – ach jetzt schwätze ich! Der Zitronenfalter Die Tochter ruft zum Vater: „Alter, sieh doch, dort, ein Zitronenfalter!“ Doch der Vater zu ihr spricht: „Zitronenfalter gibt es nicht. Das muss ich Dir entgegenhalten: Zitronen kann man doch nicht falten!“ Der Lichterbaum Der Weihnachtsbaum, ob Tanne, Fichte, er strahlt im Glanze seiner Lichte im weihnachtlich geschmückten Raum als ein schöner Lichterbaum. Doch bald beginnt, was wir so scheuen, er ganz fürchterlich zu streuen, und der Baum, der vorher dichter, wird allmählich immer lichter. Schließlich ist, man glaubt es kaum, der Lichterbaum ein lichter Baum. Philosophisches Ein Fass, ein ganz verbogenes war Wohnung von Diogenes. Der arme Wicht, er kannte nicht ein Bett, ein frisch bezogenes. Herbst Leise rieselt das Blatt von dem Baum, der es hat. Leise rieseln die Blätter, herbstlicher wird das Wetter. Das Blatt am Baum Einsam hängt das Blatt am Baum, es leuchtet gelb und rührt sich kaum. Doch blasen erst des Herbstes Winde, löst es sich ab, fällt von der Rinde. Als letztes von des Baumes Laub sinkt es hernieder in den Staub. Alleine hängt der Baum am Blatt, es ist das letzte, das er hat. Die ersten Menschen Nachdem von Gott geschaffen war das allererste Menschenpaar, da saßen in dem Paradiese die ersten Menschen auf der Wiese. Und auf der Wiese saßen sie von abends spät bis morgens früh, von morgens früh bis abends spät, bei ihrer Apfelschmausdiät. Sie saßen also in der Landschaft so ganz allein, ohne Verwandtschaft, und schon begannen sie bisweilen bei dem Geschäft sich langzuweilen. Zur Eva sprach der Adam dann: „Jetzt fehlt uns noch ein dritter Mann. Dann könnten wir mit Lustgefühlen eine Runde Skat hier spielen.“ Drauf taten sie den Herrgott bitten: „Ach, mach uns doch noch einen dritten!“ Da sprach Gottvater lächelnd: „Nun, das müßt Ihr dann schon selber tun.“ Das taten sie dann auch mit Eile und hatten nie mehr Langeweile. Winterabend Bald des Tages Pracht vergeht, der Mond bereits am Himmel steht. Die Nacht auf leisen Sohlen naht. Tief verschneit sind Weg und Pfad. Der Schnee ist rötlich angehaucht, die Sonne langsam untertaucht, und in ihrem letzten Sinken noch die Wolken gülden blinken. Auf die Lande weit und breit Senkt sich nun die Dunkelheit. Doch ins Herze dringt noch ein Strahl vom Abendsonnenschein. Sehnsucht Schon beginnt es leicht zu Dunkeln, Abend senkt sich sacht hernieder, am Himmel schon die Sterne funkeln. Wann seh’, Liebste, ich Dich wieder? Morgentau benetzt die Blüten, Vögel singen frühe Lieder, erste Sonnenstrahlen glühten. Wann seh’, Liebste, ich Dich wieder? Sah im Traume Dich noch eben engelsgleich herniederschweben, im Traume nur Dein süßes Bild. Ach, es helfen nicht Kamillen, nur allein Du kannst sie stillen, die Sehnsucht, die mein Herz erfüllt. Eulenspiegelei Ein Pilger kommt zur Waldeslichtung, ich weiß nicht mehr, aus welcher Richtung, und lässt daselbst sich brav und bieder, da es schon dunkelt, häuslich nieder. Dann zündet sich der Pilgersmann ein kleines Lagerfeuer an, denn abends wird es in dem Wald entweder kälter oder kalt. Damit er etwas braten kann, stellt er aufs Feuer eine Pfann’, das Aug’ zum Himmel fromm erhoben, denn aller Segen kommt von oben. Da, eine Eule fliegt vorbei, verliert im vollen Flug ein Ei, und seltsam, dieses Ei fällt prompt so, dass es in die Pfanne kommt. Ein kleines Wunder ist geschehn, wer es nicht glaubt, hat‘s nicht gesehn. Der Pilger aber, fromm und frei verzehrt sein Eulenspiegelei. Der Teufel Weißt du denn, wo der Teufel steckt? Du meinst wohl, in der Hölle. Doch dorten man ihn nicht entdeckt, er weilt an and’rer Stelle. Ist er im Club, im Sportverein, im Harem oder im Serail, in der Partei vielleicht? O nein, der Teufel, der steckt im Detail! Abschied Es macht im Leben oft Verdruss, daß man Abschied nehmen muss. Doch was hilft all das Grämen? Abschied muß man nehmen. Ausblick Wie man die Sache oft auch dreht und wendet, ein Neues dort entsteht, wo etwas Altes endet.

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